Ein Forscher der Charité hält eine Petrischale mit Bakterienkulturen, während im Hintergrund ein Diagramm der biochemischen Umwandlung von CO₂ in Kosmetikinhaltsstoffe zu sehen ist.
Ein Forscher der Charité hält eine Petrischale mit Bakterienkulturen, während im Hintergrund ein Diagramm der biochemischen Umwandlung von CO₂ in Kosmetikinhaltsstoffe zu sehen ist.

Die Umwandlung von Kohlenstoffdioxid in nutzbare Chemikalien durch modifizierte Bakterien gibt einem Kollegen aus der Biotech-Branche, der nachhaltige Innovationen verfolgt, etwas gemeinsamen Kontext.

Darmbakterien als Kosmetikfabrik Handlungsfluss und Kernfakten

Forscher der Berliner Charité entwickeln eine neue Methode, um Inhaltsstoffe für Kosmetikprodukte klimafreundlich herzustellen. Dr. Steffen Lindner-Mehlich und sein Team nutzen genetisch modifizierte Darmbakterien (Escherichia coli) und Bodenbakterien (Pseudomonas putida), um aus Methanol – das wiederum aus Kohlenstoffdioxid der Luft gewonnen wird – chemische Verbindungen wie Laktat, Succinat und Butandiol herzustellen. Diese dienen als Feuchthaltemittel und Stabilisatoren in Cremes und Lippenstiften.

Die Methode verzichtet vollständig auf Erdöl. Stattdessen dient CO₂ als Ausgangsstoff, der in Methanol umgewandelt wird. Die Bakterien werden so programmiert, dass sie dieses Methanol 'verfressen' und die gewünschten Chemikalien ausscheiden. Ein zentrales Problem: Bakterien nutzen normalerweise Energie für ihr Wachstum, nicht für die Produktion externer Stoffe. Das Team löst dies, indem es den Mikroben einen Stoff zur Verfügung stellt, den sie nur dann nutzen können, wenn sie das gewünschte Produkt erzeugen.

Das Projekt CarboNcare wird vom European Innovation Council mit 3,1 Millionen Euro gefördert. Ziel ist es, eine ernstzunehmende, nachhaltige Alternative zu erdölbasierten Produktionswegen in der chemischen Industrie zu schaffen. Noch befindet sich das Verfahren in der Forschungsphase, doch die Ergebnisse könnten langfristig die Herstellung von Kosmetika, Kunststoffen und Alltagsprodukten klimaneutraler machen.

Fakten

  • Dr. Steffen Lindner-Mehlich von der Charité Berlin leitet ein Forschungsprojekt, das Darmbakterien (Escherichia coli) und Bodenbakterien (Pseudomonas putida) genetisch verändert, um Kosmetikinhaltsstoffe herzustellen.
  • Die Bakterien nutzen Methanol, das aus Kohlenstoffdioxid der Luft gewonnen wird, und produzieren daraus Laktat, Succinat und Butandiol – Stoffe, die in Cremes und Lippenstiften als Feuchthaltemittel dienen.
  • Das Projekt CarboNcare wird vom European Innovation Council mit 3,1 Millionen Euro gefördert und zielt auf eine klimaneutrale Alternative zu erdölbasierten Chemikalien ab.
  • Ein zentrales Forschungshindernis war, dass Bakterien Energie normalerweise in Wachstum stecken; das Team löste dies durch einen biochemischen Anreiz, der die Produktion der gewünschten Stoffe fördert.

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