
Die richtige Impfung zur richtigen Zeit gibt einem Kollegen oder Freund mit MS mehr Stabilität – und zeigt, wie Forschung das Leben heute schon verbessert.

MS: Diese Impfungen schützen doppelt Handlungsfluss und Kernfakten
Bei Multipler Sklerose (MS) können Impfungen eine doppelte Schutzfunktion erfüllen: Sie beugen Infektionen vor und reduzieren damit indirekt das Risiko von Krankheitsschüben, da Infekte diese auslösen können. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass die Wirksamkeit von Impfungen stark von der aktuellen Immuntherapie abhängt. Während Behandlungen wie Interferon-β oder Dimethylfumarat die Impfantwort kaum beeinträchtigen, schwächen B-Zell-depletierende Therapien wie Anti-CD20-Antikörper die Bildung von Antikörpern deutlich. Noch stärker eingeschränkt ist die Immunantwort unter Sphingosin-1-Phosphat-Modulatoren wie Fingolimod.
Die Erkenntnisse aus der COVID-19-Pandemie haben hier wertvolle Daten geliefert: Bei MS-Patienten lag die Serokonversionsrate nach Impfung bei etwa 76 Prozent, aber unter bestimmten Therapien blieb die Antikörperbildung oft aus. Trotzdem blieben T-Zell-Antworten teilweise erhalten – ein Hinweis darauf, dass Schutz nicht vollständig fehlt. Deshalb empfehlen Experten, Impfungen strategisch zu planen, etwa zwischen Infusionszyklen oder vor Therapiebeginn.
Darüber hinaus erforscht die Wissenschaft völlig neue Ansätze: therapeutische Impfungen, die gezielt Toleranz gegen das körpereigene Myelin trainieren sollen. In präklinischen Studien konnten solche Vakzine regulatorische T-Zellen aktivieren und die Krankheitsaktivität reduzieren – ohne das gesamte Immunsystem zu unterdrücken. Erste klinische Studien stehen bevor. Diese Entwicklung könnte die MS-Therapie langfristig verändern.
Fakten
- Infektionen können bei Multipler Sklerose (MS) Krankheitsschübe auslösen.
- Impfungen schützen MS-Patienten indirekt vor Schüben, indem sie Infektionen vorbeugen.
- Unter Anti-CD20-Therapien ist die Antikörperantwort nach Impfung oft deutlich reduziert.
- T-Zell-Antworten bleiben bei vielen MS-Patienten nach Impfung auch unter Therapie teilweise erhalten.
- Neue therapeutische Impfstrategien trainieren das Immunsystem, gezielt Toleranz gegen Myelin zu entwickeln.
- Klinische Phase-I/II-Studien zu solchen Vakzinen befinden sich in Vorbereitung.
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