
Die Debatte um historische Erinnerung gibt einem Kollegen, der die Beziehung zwischen Polen und der Ukraine verfolgt, etwas gemeinsamen Kontext.

Polens Präsident will Selenskyj Orden entziehen Handlungsfluss und Kernfakten
Die Beziehungen zwischen Polen und der Ukraine sind angespannt, nachdem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 27. Juni 2026 einer Spezialeinheit den Ehrennamen „Helden der UPA“ verlieh. Die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) kämpfte im Zweiten Weltkrieg für einen unabhängigen ukrainischen Staat, ist aber in Polen mit Massakern an der Zivilbevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien verbunden. Polens Präsident Karol Nawrocki reagierte empört und schlug vor, Selenskyj den höchsten polnischen Orden des Weißen Adlers zu entziehen, den er 2023 erhalten hatte.
Die polnische Regierung kritisierte die Entscheidung scharf. Außenminister Radosław Sikorski und Ministerpräsident Donald Tusk warnten, dass historische Auseinandersetzungen nur Russland nutzen würden. Tusk appellierte an beide Seiten, die Stimmung zu beruhigen. Der ehemalige Präsident Lech Wałęsa ging noch weiter und erklärte, er entziehe Selenskyj seine Unterstützung.
Die ukrainische Seite betonte hingegen die aktuelle Solidarität. Lwiws Bürgermeister Andrij Sadowyj würdigte Polens Hilfe seit Kriegsbeginn und mahnte, die Aufmerksamkeit solle auf die gemeinsame Front gegen Russland gerichtet bleiben. Beide Länder hatten in den vergangenen Jahren Versöhnungsschritte unternommen, doch die Erinnerung an die Gewalt von 1943 bleibt emotional aufgeladen.
Fakten
- Am 27. Juni 2026 verlieh Selenskyj dem ukrainischen Spezialoperationszentrum „Nord“ den Ehrennamen „Helden der UPA“.
- Polens Präsident Karol Nawrocki schlug daraufhin den Entzug des Ordens des Weißen Adlers für Selenskyj vor.
- Der Orden war Selenskyj im April 2023 von Andrzej Duda für Verdienste um die polnisch-ukrainischen Beziehungen verliehen worden.
- Die UPA wird in Polen für das Massaker von Wolhynien 1943 verantwortlich gemacht, bei dem bis zu 120.000 Polen starben.
- Ministerpräsident Donald Tusk und Außenminister Sikorski warnten, dass historische Streitigkeiten nur Russland nutzen würden.
- Der ukrainische Botschafter in Polen wurde von polnischer Seite zu Gesprächen über die Entscheidung einbestellt.
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