Illustration eines Journalisten, der vor einem leeren Schreibtisch sitzt, während ein KI-Avatar auf einem Bildschirm Texte verfasst.
Illustration eines Journalisten, der vor einem leeren Schreibtisch sitzt, während ein KI-Avatar auf einem Bildschirm Texte verfasst.

Die Debatte über KI im Journalismus lohnt einen zweiten Blick, besonders für Kollegen, die die Hintergründe mitverfolgen.

KI schreibt – Journalist raus? Handlungsfluss und Kernfakten

Ein prominentes Medienszenario hat die Debatte über KI im Journalismus neu entfacht: Der ehemalige Tagesspiegel-Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff hat rund 50 Texte von einer Künstlichen Intelligenz schreiben lassen – ohne dies kenntlich zu machen. Die Redaktion reagierte mit einer vorübergehenden Pausierung der Zusammenarbeit. Wenige Tage später veröffentlichte Springer-Chef Mathias Döpfner einen Kommentar, der laut Angabe zu 100 Prozent von einer Google-KI stammte – als bewusste Provokation gegenüber kritischen Medien wie der FAZ.

Die beiden Fälle markieren die Pole einer tiefen Bruchlinie: Während einige Redaktionen wie Ippen.Media KI bereits für vollautomatisierte Texte nutzen – etwa bei Wahlen in tausenden Gemeinden –, pochen andere auf Transparenz und journalistische Integrität. Der Tagesspiegel betont, dass KI unterstützen darf, aber nicht den Kern der Arbeit ersetzen soll. Gleichzeitig fehlten bislang klare, verbindliche Leitlinien, was intern für Unmut sorgte.

Hinter der Debatte steht eine Branche unter Druck: sinkende Erlöse, Personalabbau und steigende Produktionslast. KI wird nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Entlastung gesehen. Chefredakteure wie Markus Knall von Ippen.Media sprechen vom „KI-Komponisten“ der Zukunft – einem Journalisten, der Inhalte steuert, statt sie zu tippen. Doch die Frage, wo die Grenze verläuft, bleibt offen.

Fakten

  • Stephan-Andreas Casdorff ließ rund 50 Texte von einer KI schreiben, ohne dies zu kennzeichnen.
  • Der Tagesspiegel pausierte die Zusammenarbeit mit Casdorff im Juni 2026.
  • Mathias Döpfner veröffentlichte einen KI-generierten Kommentar unter seinem Namen.
  • Ippen.Media nutzt KI bereits für vollautomatisierte Berichte, etwa bei Wahlen.
  • Die Tagesspiegel-Chefredaktion plant eine Aktualisierung der KI-Richtlinien.
  • Casdorffs Nutzung der KI wurde durch einen Tweet eines Informatik-Professors aufgedeckt.

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