Künstlerische Darstellung der Erde in der fernen Zukunft, während die Sonne sich zum Roten Riesen ausdehnt, aber der Planet knapp außerhalb der zerstörerischen Reichweite bleibt.
Künstlerische Darstellung der Erde in der fernen Zukunft, während die Sonne sich zum Roten Riesen ausdehnt, aber der Planet knapp außerhalb der zerstörerischen Reichweite bleibt.

Die Erde könnte physisch überdauern, selbst wenn das Leben längst nicht mehr möglich ist, ein interessanter Gedanke für Kollegen, die astrophysikalische Szenarien verfolgen.

Erde überlebt Sonnenende? Handlungsfluss und Kernfakten

Eine neue Studie stellt langjährige Annahmen über das Schicksal der Erde am Ende der Sonnenentwicklung infrage. Bisher ging man davon aus, dass die Erde von der anschwellenden Sonne im Roten-Riesen-Stadium verschlungen wird. Doch aktuelle Modelle berücksichtigen nun präziser, wie Gezeitenkräfte zwischen Stern und Planet wirken und wie stark die Sonne durch Sternwinde Masse verliert. Beides beeinflusst die Umlaufbahn der Erde: Während Gezeitenkräfte sie nach innen ziehen, weitet sich ihre Bahn durch den abnehmenden Gravitationseinfluss der Sonne nach außen. Die neue Berechnung deutet an, dass dieser äußere Effekt stärker sein könnte als bisher angenommen.

Die Forschenden unter Leitung von Mats Esseldeurs von der Katholischen Universität Leuven nutzten verbesserte Theorien zur Gezeitendissipation und kalibrierten ihre Modelle mit Beobachtungsdaten des Sterns L2 Puppis, der etwa 200 Lichtjahre entfernt ist und sich bereits in einer späten Entwicklungsphase befindet. Danach könnte die Erde sowohl die Phase des Roten Riesen als auch die folgende AGB-Phase überstehen, während Merkur und Venus voraussichtlich doch verschluckt werden.

Allerdings bedeutet Überleben nicht Bewohnbarkeit. Bereits in etwa einer Milliarde Jahren dürfte die zunehmende Helligkeit der Sonne die Erde so aufheizen, dass die Ozeane verdampfen und komplexes Leben nicht mehr möglich ist. Die Studie klärt daher nicht, ob Leben fortbestehen kann, sondern nur, ob der Planet physisch erhalten bleibt. Die endgültige Antwort steht noch aus, da die Berechnungen empfindlich auf Parameter wie Gezeitendissipation und Massenverlust reagieren.

Fakten

  • Eine neue Studie in Astronomy & Astrophysics stellt infrage, ob die Erde von der sterbenden Sonne verschlungen wird.
  • Die Erde könnte die Phasen des Roten Riesen und der AGB-Phase überstehen, wenn der Massenverlust der Sonne ihre Gravitation verringert.
  • Gezeitenkräfte ziehen die Erde nach innen, aber der abnehmende Gravitationseinfluss durch Sternwinde wirkt nach außen.
  • Beobachtungsdaten des Sterns L2 Puppis, 200 Lichtjahre entfernt, dienten zur Kalibrierung der Modelle.
  • Merkur und Venus werden voraussichtlich verschlungen, Mars könnte ebenfalls überleben.
  • Die Erde wird bereits in etwa einer Milliarde Jahren unbewohnbar, lange vor dem Sonnenende.

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